Schwierige Nachsuche auf Schwarzwild

Kurz vor acht Uhr morgens erreichte mich der Anruf meines Revierkollegen: "Sau beschossen, sie ist ab, aber Schweiß am Anschuss. Wir brauchen deinen Hund!"

Eilig machte ich mich mit Zeno auf den Weg. Nach einer Viertelstunde stand ich auf dem Stoppelacker am Anschuss - etwas Lunge, aber auch dunkelroter Schweiß...

Zeno folgte der Fährte wie gewohnt ganz ruhig und zielstrebig am Riemen. Schweiß wurde immer weniger! Nach etwa 300 Metern zog der Hund in den Wald, dann endlich verwies er für mich sichtbaren Schweiß.
 Es ging auf eine lange Reise! Nur äußerst selten verwies Zeno noch Schweiß, des öfteren jedoch Eingriffe oder Ausrisse der Schalen. Mittlerweile hatten wir schon über einen Kilometer hinter uns - oftmals durch sehr unwegsames Untergehölz bei hochsommerlichen Temperaturen und Schnaken ohne Ende! Zeno zog unbeirrt weiter, Schweiß fand ich keinen mehr...
Als es in eine Dickung ging, lief der Schütze mit Waffe zwischen Hund und mir - eigentlich krabbelten wir mehr als dass wir liefen - bis wir an eine versteckte Suhle gelangten. Deutlich war zu erkennen, dass die Sau  hier versuchte, sich Linderung zu verschaffen. In der Nacht waren mehrere Sauen im Schlamm und nachdem kein Schweiß mehr vorhanden war, fand der Hund den Abgang der kranken Sau nicht.
Wir waren jetzt drei Stunden unterwegs und Zeno brauchte eine Pause, wie wir auch. Das "Begleitfahrzeug" stand nun in der Nähe auf dem Waldweg, dort rasteten wir und berieten, was zu tun wäre.
Riemenarbeit kam nicht mehr in Frage, da kein Schweiß und schwer zugängliches Dickicht.
So ließ ich Zeno nach einer Stunde Pause frei suchen. Er hielt sich immer in Sichtweite, wir folgten ihm und dann erstarrte er vor einem Brombeerverhau. Als ich zu ihm trat, rumorte es im Gebüsch und es war klar, dass die Sau noch Leben hatte! Der Schütze wurde positioniert und Zeno mit "Wo ist die Sau? Such sie!"  voran geschickt. Er sondierte das Gebüsch, zog dann weiter in eine Fichtendickung und war unseren Blicken entschwunden. Was tun? Warten, lauschen, bangen...
Da plötzlich gab er Laut! Nichts wie hin, aber mit Vorsicht! Er verbellte andauernd und immer am selben Ort! Er hatte die Sau gestellt! Sie lag schwer atmend neben einer Suhle und hob das Haupt, war aber offensichtlich nicht mehr fähig, aufzustehen:



Äußerst vorsichtig nahm ich den guten Zeno (der sich nicht abrufen ließ) an den Strick, weg vom Schwarzkittel und der Fangschuss konnte angetragen werden.
Mittlerweile war es 13 Uhr!

Die Freude über diese gelungene Nachsuche ließ uns die Strapazen bei der Bergung des Keilers - das Auto stand einiges entfernt - geduldig ertragen...

Auf der Karte rekapitulierte ich die zurückgelegte Strecke: Fast 1,6 Kilometer! 

Diese Arbeit Zenos würde auch einem Schweiß-Spezialisten zur Ehre gereichen - eine äußerst schwierige Nachsuche, die dem Hund alles abverlangte (und dem Führer auch)!

Zuhause wurde der Keiler von den Damen Janna und Juna im Beisein Zenos begutachtet:


August 2016